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Die richtige Putztechnik für Handzahnbürsten

Handzahnbürsten reinigen die Zähne gründlich und schonend, wenn geeignete Putztechniken angewendet werden. Für Kinder eignet sich die einfache KAI-Technik, Erwachsene sollten sich an kompliziertere Methoden gewöhnen.

Die Zähne gründlich säubern, aber gleichzeitig das empfindliche Zahnfleisch schonen - diese gegensätzlichen Aufgaben gilt es beim Zähneputzen zu bewältigen. Elektrische Zahnbürsten sind hier im Vorteil, da sie dank hoher Bürstfrequenzen nur einen geringen Ansatzdruck benötigen. Doch auch die manuelle Reinigung mit Handzahnbürsten erzielt gute Ergebnisse, wenn etwas Geschick und Geduld aufgebracht wird1.

Vor allem kleinere Kinder sind dabei jedoch rasch überfordert, da die notwendige Motorik noch nicht voll ausgebildet sind. Oft mangelt es auch an Motivation und Aufmerksamkeit. Dennoch sollten Kinder ab einem Alter von drei bis vier Jahren langsam an das richtige Zähneputzen herangeführt werden. Die KAI-Technik bietet dabei ein einfach zu erlernendes Grundgerüst2.

KAI-Technik für Kinder

Das erste Ziel besteht darin, dass die Kinder keine der Zahnflächen beim Putzen übergehen. Der Name KAI-Technik beinhaltet bereits das Grundprinzip, das die wichtigsten Zahnflächen in immer der gleichen Reihenfolge gesäubert werden:

  • K = Kauflächen. Diese werden mit kurzen Vor- und Zurückbewegungen gereinigt.
  • A = Außenflächen. Die Reinigung erfolgt mit kreisenden Bewegungen, die Zähne liegen dabei aufeinander.
  • I = Innenflächen. Die kreisenden Bewegungen von verlaufen "Rot nach Weiß", also vom Zahnfleisch zum Zahnschmelz.

Keiner der vier Kieferquadranten (oben und unten, links und rechts) darf dabei ausgelassen werden, und jeder Schritt sollte etwa eine Minute dauern. Die Gesamtzeit beträgt also drei Minuten.

Auch wenn Kinder gute Fortschritte mit der KAI-Technik machen, sollten die Eltern regelmäßig nachputzen. Diese Empfehlung, manchmal KAI-Plus genannt3, gilt bis in die ersten Schuljahre hinein. Eine Grundregel sagt, dass die Motorik für das Zähneputzen erst dann ausreichend entwickelt ist, wenn ein Kind auch flüssig schreiben kann.

Die Bass-Technik ist wirksam, aber kompliziert

Spätestens im Erwachsenenalter sollte jedoch problematischen Zonen mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden: die Zwischenräume der Zähne und der kritische Übergang von Zahnschmelz zu Zahnfleisch. Deutsche Zahnärzte empfehlen dazu häufig eine Technik, die der US-Arzt Charles Bass Mitte des letzten Jahrhunderts entwickelt hat4.

Bei der Bass-Technik werden sehr kleine Rüttelbewegungen durchgeführt, die Zahnbeläge wirksam entfernen und gleichzeitig Entzündungen des Zahnfleisches vorbeugen. Die wesentlichen Schritte sind:

  • die Bürste in einem Winkel von 45° am Übergang vom Zahn zum Zahnfleisch ansetzen
  • sanfte, kleine Rüttelbewegungen durchführen
  • von „Rot nach Weiß“ (Zahnfleisch zum Zahn) auswischen
  • mehrmals an der gleichen Stelle wiederholen
  • Kauflächen horizontal bürsten

Die Stillmann-Technik als Alternative

Eine gut ausgeführte Bass-Technik gilt als effizienteste Methode, um Zähne und Zahnzwischenräume zu reinigen. Allerdings erfordert sie ausgesprochen viel Übung, Aufmerksamkeit und Geschick - und wird daher häufig nicht ordentlich durchgeführt. Die Folge ist ein unerwünschtes "Schrubben", das Zahnschmelz und Zahnfleisch gleichermaßen schädigen kann.

Eine Alternative ist die Stillmann-Technik angewendet, auch Fege- oder Auswischtechnik genannt. Im Detail wird folgendes durchgeführt:

  • die Bürste schräg am Übergang vom Zahn zum Zahnfleisch ansetzen
  • etwa fünfmal an der gleichen Stelle von „Rot nach Weiß“ auswischen
  • die Zahnbürste um eine halbe Bürstenbreite weiter bewegen
  • Auswischen bzw. Ausfegen wiederholen

Die einfache Fones-Technik besteht im Alltag

Eine dritte Variante ist die Fones-Technik. Sie ist sehr einfach zu erlernen, reinigt allerdings die Zahnzwischenräume und den Übergang zum Zahnfleisch nicht optimal.

  • Außenfläche: Frontzähne aufeinander stellen, Bürstenkopf senkrecht Zähne anlegen, in großen Kreisen über Zähne und Zahnfleisch fahren
  • Innenflächen: in kleinere Kreisen putzen, vom Zahnfleisch zum Zahn
  • Kauflächen: hin und her, horizontale Bewegungen

Viele Zahnärzte glauben, dass die Fones-Technik deutlich weniger gründlich reinigt als die Bass-Technik. Ein Praxistest der Universität Gießen mit 56 Probanden kam jedoch zu einem anderen Ergebnis5: Die Fones-Technik erzielte spürbar bessere Erfolge bei der Beseitigung von Zahnbeläge und der Vermeidung von Zahnfleischentzündungen. Offenkundig war die eigentlich überlegene Bass-Technik so mühsam in der Anwendung, dass sie nur selten korrekt und gewissenhaft ausgeführt wurde.

Daraus könnte man den Schluss ziehen, dass jeder die für ihn geeignete Putztechnik selbst finden muss. Wer genügend Zeit aufwendet, die Zahnzwischenräume nicht vergisst und sein Zahnfleisch dabei schont, wird sicher zu guten Resultaten kommen. Denn es besteht kein Zweifel, dass auch Handzahnbürsten die Zähne wirksam und dauerhaft vor Karies schützen können.

Quellen und weiterführende Literatur

  • 1 S. Zimmer, Tägliche Mundhygiene - Womit, wie, wie oft und wie lange?, Bayrisches Zahnärzteblatt, März 2017 (Link)
  • 2 Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Zähneputzen mit KAI – kinderleicht, kindergesundheit-info.de, Stand Juni 2019 (Link)
alle Referenzen anzeigen
  • 3 Zahnärztekammer Nordrhein, Zähneputzen mit System für Kinderzähne: KAI-plus, abgerufen April 2020 (Link)
  • 4 Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde, Gewissenhafte Zahnpflege, kariesvorbeugung.de, abgerufen April 2020 (Link)
  • 5 Harnacke et al., Improving Oral Hygiene Skills by Computer-Based Training: A Randomized Controlled Comparison of the Modified Bass and the Fones Techniques, PLoS ONE, Mai 2012 (Link)
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