Fettgewebe - Energiespeicher und vieles mehr

Überflüssig und lästig? Ganz im Gegenteil: Das Fettgewebe erfüllt lebenswichtige Aufgaben. Gleich drei unterschiedliche Arten finden sich im menschlichen Körper.

Es gibt drei Arten von Fettgeweben, die eine Vielzahl von Funktionen erfüllen

Wichtige Funktionen des Körperfetts

Speicher von Energie

Zu den wichtigsten Funktionen des Fettgewebes gehört das Speichern von Energie. Fett hat eine hohe Energiedichte, und es lässt sich in alle anderen Grundbausteine des Stoffwechsels umwandeln. Bei einem normal gewichtigen Mann macht das Fettgewebe in der Summe etwa 15 kg aus, bei einer Frau sind es bis zu 20 kg. Diese Reserven tragen dazu bei, dass ein Mensch bis zu 40 Tage ohne Nahrung auskommen kann.

Wärmeisolation

Das Fettgewebe leitet Wärme deutlich schlechter als andere menschliche Gewebe. Diese Eigenschaft macht sich die Natur zu Nutze: Im Durchschnitt werden zwei Drittel des gesamten Körperfetts im Bindegewebe der Unterhaut gespeichert. An kalten Tagen sorgt diese Isolationsschicht dafür, dass der Körper nicht zu allzu sehr auskühlt.

Schutz vor mechanischer Belastung

Das Fettgewebe dient auch als Polster, das Stöße und Erschütterungen abfedert. Genutzt wird dies etwa an den Fußsohlen oder in den Bindegeweben um die Gelenke. Auch der Augapfel ist in ein Fettpolster eingebettet: Dies ist der Grund, warum bei Hungerkatastrophen die Augen tiefer in die Höhlen treten.

Regulation des Stoffwechsels

Das Fettgewebe kann auch eine aktive Rolle einnehmen - es ist an der Kontrolle vieler Körperfunktionen beteiligt. Es setzt etwa 100 Hormone und Botenstoffe frei, die den Energiestoffwechsels des ganzen Körpers steuern. Zusätzlich hat es noch Einfluss auf die Gerinnungskaskade im Blut, und es wirkt sich auch auf das Herz-Kreislauf-System und den Blutdruck aus. Damit gilt das Fettgewebe als das größte endokrine Organ des Körpers.

Erzeugung von Wärme

Zwei Arten von Fettgewebe - das braune und das beige - können aktiv Wärme erzeugen: Ärzte nennen diesen Prozess Thermogenese. Für neugeborenen Kinder, die Wärme noch nicht durch Muskelzittern erzeugen können, kann dies lebenswichtig sein. Aber auch bei Erwachsenen bleiben Reste dieser Gewebe erhalten - bei kalten Temperaturen wird die Thermogenese wieder deutlich hochgefahren.

Drei Arten von Fettgewebe

Weißes Fettgewebe

Bei erwachsenen Menschen findet sich vor allem das weiße Fettgewebe. Es hat seinen Namen von den Präparaten, die Ärzte unter dem Mikroskop begutachten: Das Gewebe wirkt rein weiß, weil das Fett während der Präparation verloren gegangen ist. Eigentlich ist die Farbe des menschlichen Körperfetts jedoch von einem intensiven gelb.

Die Zellen im weißen Fettgewebe sind verhältnismäßig groß, ihr Durchmesser beträgt ungefähr einen Zehntel Millimeter. Ihr Inneres wird fast vollständig von einem einzigen, großen Fetttropfen ausgefüllt. Andere Zellbestandteile sind auf ein Minimum reduziert und werden von dem Tropfen ganz an den Rand gedrängt.

Fettzellen finden sich überall im Körper, aber nur in manchen Regionen lagern sie sich zu größeren Strukturen zusammen - dies ist das eigentliche Fettgewebe. Es findet sich vor allem in der Unterhaut, am Bauch und in den Gesäßbacken.

Braunes Fettgewebe

Das braune Fettgewebe macht bei Neugeborenen bis zu 5 Prozent des Körpergewichts aus. In ihm läuft ein wichtiger Stoffwechselprozess ab: Bei der Thermogenese werden Fettmoleküle direkt in Wärme verwandelt. Neugeborene steuern so ihre Körpertemperatur.

Braune Fettzellen entstehen aus Muskelzellen und sind mit vielen kleinen Fetttropfen aufgefüllt. Die Zellen sind reich an Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, in den die Thermogenese abläuft. Die Mitochondrien tragen auch zur bräunlichen Färbung der Zellen bei.

Nach der Geburt findet sich braunes Fettgewebe vor allem am Nacken und an den Schultern, im Brustkorb umschließen sie die großen Blutgefäße. Bei Erwachsenen hat sich das Gewebe fast vollständig zurückgebildet: Letzte Reste befinden sich in der Nähe der großen Arterien, an den Nieren und unter den Achseln.

Beige Fettzellen

Die Existenz der beigen Fettzellen wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt. Sie entstehen aus weißem Fettgewebe, besitzen aber deutlich mehr Mitochondrien: Diese sind ebenfalls zur Thermogenese fähig und helfen bei der Regulation der Körpertemperatur.

Beige Fettzellen finden sich auch bei Erwachsenen Menschen. Ihr Anteil erhöht sich nach längeren Kältephasen - sie sind einer der Gründe, warum Menschen sich im Laufe des Winters an kalte Temperaturen gewöhnen.

Quellen und weiterführende Literatur

  • C. Hohmann-Jeddi, Aus Weiß mach Braun, Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 25/ 2014 (Link)
  • Verspohl und Weiland, Größtes endokrines Organ des Körpers, Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 29/2006 (Link)